Ambigran® bringt Altglas das Flüstern bei
14.06.2004 | So löblich das Recycling von Altglas ist, die damit oft verbundene Lärmbelästigung für die Anwohner von Sammelstellen mit herkömmlichen Glasbehältern ist eine negative Begleiterscheinung und hat mancherorts bereits für Verstimmung gesorgt. Mit der „Verordnung zur Einführung der Geräte — und Maschinenlärmschutzverordnung — 32. BImSchV“, kurz Lärmschutzverordnung genannt, legt der Gesetzgeber jetzt verbindliche Grenzwerte fest.

Klasse I (die „leiseste“ Ausführung) bedeutet, dass der Schallleistungspegel kleiner / gleich 91 dB (A) sein muss. Hersteller von Recyclingglasbehältern sind verpflichtet, die Schallleistungspegel zu erfassen und ihre Behältertypen entsprechend zu kennzeichnen.
Ein namhafter Hersteller von Glasrecyclingbehältern ist die Firma C.F. Maier in Königsbronn. Das Unternehmen suchte entsprechend der neuen Anforderungen nach einer innovativen und praktikablen Lösung. An Behältern des Typs Oekobell, einem glockenförmiger Kunststoffbehälter entsprechend Bild 1, wurde experimentell die Lärmminderung erprobt.
Experten aus Königsbronn, Bayreuth und Zschepplitz untersuchten verschiedene Lösungsansätze der Lärmminderung. Matten und / oder Beschichtungen wurden aufgebracht. Bereits erste Testversuche deuteten auf die Vorteile von Beschichtungen hin. Messungen eines unabhängigen Institutes bestätigten, dass die Beschichtung mit einer Ambigran®-haltigen, gummielastisch bleibenden Masse am vorteilhaftesten ist. Die Zielstellung, Schallleistungspegel kleiner 91 dB (A) wurde sehr gut erfüllt. Eine grafische Darstellung der Trendkurve zeigt Bild 2. Die Mehrzahl der Flascheneinwürfe ist leiser 90 dB (A).
Letztendlich wurde von allen untersuchten Varianten die Beschichtung mit Ambigran® favorisiert. Neben Geräuschdämmung bietet diese Beschichtung auch positive Auswirkungen auf die Stabilität des Behälters und der Hygiene. Die direkt auf die Innenwand des Kunststoffbehälters aufgespritze Beschichtung verhindert, dass Insekten oder Kleinnager in den Behältern ungestörten Brutstätten finden da es keinen Zwischenraum zwischen der ursprünglichen Behälterwandung und der Beschichtung gibt.
Die original Kunststoffwandung wird durch die Beschichtung hingegen zusätzlich verstärkt und geschützt. Bei der Beschichtung bereits benutzter Behälter können mittels der Ambigran®-haltigen Masse sogar kleine Beschädigungen überbrückt werden. Bild 3 zeigt die beschichtete Oberfläche der inneren Behälterwand.

Die Ambigran®-haltige Masse wurde optimiert und wird nun eigenständig als Flexobit A® Beschichtung ausgeführt. Seit Dezember 2003 werden monatlich mehrere hundert Oekobell-Behälter mit Flexobit A® durch die sächsische RCB Zschepplitz GmbH beschichtet. Bilder 4, 5 und 6 zeigen Behälter während und nach der Beschichtung.

Die gemeinsamen Entwicklung und Anwendung der Ambigran®-haltigen Beschichtung wurde zum Grundstein für die Firmenneugründung. Neben den bisher sechs geschaffenen Arbeitsplätzen ist man bei RCB weiterhin auf Wachstum orientiert. Von einem Wachstumsmarkt für Flexobit A® beschichtete Glasrecyclingbehälter ist auszugehen, diese Prognose wird auch von Firma C.F. Maier bestätigt.
Die technische Lösung der speziellen Beschichtung wurden die Schutzrechte gesichert die bei der Bayreuther RTW und der Gründerin der Firma RCB, Frau Beate Rentzsch sind. Der Erfinderdrang ist noch lang nicht gestillt. Parallel zur laufenden Produktion werden durch RTW und RCB weitere Anwendungsmöglichkeiten für die gummielastische, Geräusch und Rutschen hemmende Beschichtung entwickelt.
Dr. Eberhard Freiberg